Skizze neue Schule

Und er stellte ein Kind in ihre Mitte - dieser Satz aus dem Evangelium nach Markus steht sehr bewusst am Anfang unseres Schulprogramms, denn er ist beides, Basis und Ziel unserer schulischen Arbeit.

Unsere Schülerinnen und Schüler - und zwar so, wie sie sind, und nicht etwa, wie wir sie uns wünschen mögen - bilden das Zentrum unserer Bemühungen und Überlegungen; sie haben ein Recht darauf, als Individuen wahr- und ernst genommen zu werden, in einer Schule, die für sie da ist und nicht umgekehrt. An ihnen, ihren konkreten Lebenssituationen, ihren Bedürfnissen und Fragen richten wir uns aus, ihnen wollen wir Wege weisen und dabei helfen, den ihnen eigenen Weg zu entdecken. Sie wollen wir in ihrer Schulzeit begleiten und auf ihren weiteren Lebensweg vorbereiten.

Dabei orientieren wir uns an dem Leitwort sci vias Hildegards von Bingen. Ihre Aufforderung, die Wege zu wissen, bedeutet für die an unserer Schule Arbeitenden, sich der zielführenden Richtung immer wieder zu vergewissern, dabei ausgetretene Pfade zu verlassen und sich im Interesse der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler neuen Fragen, Herausforderungen und Aufgaben von Erziehung und Bildung zu stellen.

Gemeinsam wollen wir neben der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen vor allem die Persönlichkeit unserer Schülerinnen und Schüler stärken und im klassischen Sinne bilden. Das erfordert eine optimale Beratung und Begleitung sowie ein schulisches Angebot, das über den engen unterrichtlichen Rahmen hinausgeht und in einem breit gefächerten Bildungs- und Erziehungsprogramm zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Wir wollen aber nicht nur miteinander und voneinander lernen, sondern auch gemeinsam glauben. Als Schule in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn fühlen wir uns christlichen Bildungszielen unbedingt verpflichtet. Religionsunterricht und Schulgottesdienste sind unverzichtbare Bestandteile unseres Bildungs- und Erziehungsauftrags; verschiedene zusätzliche religiöse Angebote sollen unsere Schülerinnen und Schüler richtungsweisend auf ihren Weg durch das Leben vorbereiten und ihnen nicht nur in Zeiten persönlicher Krisen auf dem christlichen Glauben gründende Orientierungshilfen bieten. Dabei ist es uns wichtig, zugleich auch das Bewusstsein für die soziale Verantwortung zu fördern und dem Egoismus des Einzelnen Grenzen zu setzen. Und so ist es für unsere Schülerinnen und Schüler eine Selbstverständlichkeit, ihre besonderen Talente und Kenntnisse durch die Übernahme von Klassen- oder Lernpatenschaften, durch die Arbeit in der Schülervertretung oder der Streitschlichtung, als Leiter von Arbeitsgemeinschaften und im Rahmen eines Sozialpraktikums für andere einzubringen.

Aber auch die Schule ist sich ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Wir wissen, dass Bildung Perspektiven eröffnet und eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration bedeutet. Deshalb hat die Hildegardis-Schule eine Vorbereitungsklasse für Kinder und Jugendliche eingerichtet, die aus unterschiedlichen Ländern kommend eine neue Heimat in Hagen suchen. Unter Berücksichtigung ihrer bisherigen Schulbiografie werden sie auf das nordrhein-westfälische Regelschulsystem vorbereitet; auf ihrem Stundenplan stehen daher vor allem Deutsch, Landeskunde, Englisch und Mathematik.

Natürlich untersteht die Hildegardis-Schule in allen Fragen des Prüfungswesens der staatlichen Schulaufsicht. Wir unterrichten gemäß der ministeriellen Vorgaben, unsere Schülerinnen und Schüler müssen sich den selben Prüfungen unterziehen wie an öffentlichen Gymnasien, es gelten identische Regelungen für Stundentafeln, Lernerfolgskontrollen und Versetzungsordnungen. Daher ist die Hildegardis-Schule in formaler Hinsicht mit einem staatlichen Gymnasium absolut gleichzusetzen.

Gleichwohl versuchen wir, besondere Akzente in unserer Arbeit zu betonen. Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass in Erziehung und Unterricht die Einmaligkeit eines jeden anerkannt und die größtmögliche Förderung seiner Persönlichkeit angestrebt werden muss. Der Einzelne hat Vorrang vor Strukturen; ihn gilt es, gemäß seiner individuellen Begabungen und Möglichkeiten zu fördern und zu fordern. Daher verzichten wir bewusst auf eine einseitige Profilierung und ermöglichen damit unseren Schülerinnen und Schülern, ihre individuellen Stärken zu entdecken, zu entwickeln und dadurch Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu gewinnen.

Es ist aus unserer Sicht deshalb kein Widerspruch, sondern durchaus folgerichtig, sowohl die sprachlichen als auch die naturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und musisch-künstlerischen Aufgabenfelder eines Gymnasiums durch vielfältige und besondere unterrichtliche und außerunterrichtliche Angebote zu akzentuieren. Das Sprachenangebot der Schule ist umfangreich (Englisch, Latein, Französisch, Spanisch, Italienisch) und wird durch die mögliche Teilnahme an unseren Austauschprogrammen mit fünf Partnerschulen in Frankreich, England, Spanien und den USA abgerundet. Zugleich ist die Hildegardis-Schule Mitglied im Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellenz-Center an Schulen (MINT) und nimmt am Entwicklungsvorhaben des Schulministeriums NRW „Naturwissenschaftlicher Unterricht“ teil. Aber wir begreifen auch die Vorbereitung unserer Schülerinnen und Schüler auf Studium und Beruf ebenso als ein zentrales Anliegen unserer schulischen Ausbildung wie die Entwicklung eines ökologischen Bewusstseins. Schließlich erfährt die Bedeutung der ästhetischen Erziehung in den Bereichen Kunst, Musik und Theater besondere Beachtung.

Die zahlreichen außerunterrichtlichen Förderangebote, Arbeitsgemeinschaften, Kunstausstellungen, Konzerte und ambitionierte Inszenierungen verschiedener Theatergruppen aus fast allen Jahrgangsstufen runden damit unseren ganzheitlichen Bildungsanspruch ab und wirken häufig auch über die engen schulischen Grenzen hinaus.

Wir sehen es als besondere Aufgabe an, das Lebensumfeld unserer Schülerinnen und Schüler und die vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen, denen Heranwachsende heute ausgesetzt sind, ernst zu nehmen. Unsere neuen Fünftklässler kommen mit großer Begeisterungsfähigkeit und zunehmend vielfältiger gewordenen Voraussetzungen aus den Grundschulen. Zu Beginn der Mittelstufe entscheiden unsere Schülerinnen und Schüler in einer Phase verstärkter Persönlichkeitsentwicklung, welche schulischen Differenzierungsmöglichkeiten sie wahrnehmen wollen. Mit Beginn der Oberstufe schließlich werden individuelle Schwerpunkte in der Vorbereitung auf das Abitur gewählt.

An diesen zentralen Übergängen der Schullaufbahn bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern ein breites Spektrum von Möglichkeiten der Individualisierung und Differenzierung in der Sekundarstufe I und II. Einzigartige Strukturen, die sich landesweit nur an der Hildegardis-Schule finden lassen, unterstützen konsequent diesen Weg. Nicht ohne Grund ist unser Gymnasium Referenzschule im Netzwerk „Lernkultur individuelle Förderung“ und damit eine der Zukunftsschulen NRW.

Den Erfolg unserer Bemühungen messen wir allerdings weniger an dem guten bis sehr guten Abschneiden unserer Schülerinnen und Schüler bei den zentralen Prüfungen, an den überdurchschnittlichen Resultaten des Zentralabiturs oder an den hervorragenden Ergebnissen der Qualitätsanalyse NRW; vielmehr orientieren wir uns vor allem an den Rückmeldungen, die wir von unseren Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern erhalten. Dabei wird immer wieder die besondere Atmosphäre an der Hildgardis-Schule erwähnt und gelobt, die offensichtlich ein im besten Sinne produktives Lernklima und Freude am Lernen ermöglicht und viele unserer Schülerinnen und Schüler auch nach Verlassen des Gymnasiums dauerhaft an „ihre“ Hilde bindet.

Die Hildegardis-Schule ist eine Schule auf dem Weg; sie versteht sich als eine sich ständig entwickelnde Institution, die sich und ihrer über neunzigjährigen Tradition in den Grundsätzen treu bleibt, dabei aber mit wachem Blick auf die sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, ihre Möglichkeiten als staatlich genehmigtes Gymnasium in freier Trägerschaft zu nutzen und neue Wege zu gehen. Wir möchten mehr sein als eine bloße Vermittlungsinstanz für zeitgemäßes Wissen und Kompetenzen. Wir wollen auf ein immer komplexer werdendes Leben auch dadurch vorbereiten, dass wir im christlichen und klassischen Bildungssinn die Werte vermitteln, die unseren Schülerinnen und Schülern Lebenssinn erschließen und ihnen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Das alles macht die Hildegardis-Schule zu einem Ort, an dem Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft mit Freude und Erfolg lernen und den bestmöglichen individuellen Weg für das eigene Leben finden können.

Jost Unterschrift

Dr. Christoph Jost, Schulleiter