Die Erprobungsstufe

“Ich war ein Riese, bin ich nun ein Zwerg?”

Dieses Zitat beschreibt sehr anschaulich die Gefühle und gegebenenfalls Ängste, mit denen Schülerinnen und Schüler nach Abschluss ihrer Grundschulzeit in den ersten Tagen zur neuen Schule kommen.
Unser Ziel ist es, den Kindern diese Ängste zu nehmen, ihnen den Wechsel zum Gymnasium so zu gestalten, dass er nicht zu einem krisenhaften Ereignis für sie und ihre Familien wird. Der Übergang soll trotz aller Veränderungen, die er zwangsläufig mit sich bringt, so weit erleichtert werden, dass eine rasche Integration möglich wird.

 

Übergänge sinnvoll gestalten  – Brücken bauen

Die meisten Hildegardis-SchülerInnen kommen von Grundschulen aus dem Hagener Raum, viele aber auch aus dem näheren Umland – aus Breckerfeld, Wetter, Iserlohn und Gevelsberg.
Um den vielfältigen Eingangsvoraussetzungen dieser SchülerInnen gerecht zu werden, arbeitet die Hildegardis-Schule schon im Vorfeld eng mit den jeweiligen Grundschulen zusammen. Man tauscht sich auf gemeinsamen Konferenzen über Inhalte, Ziele und Methoden aus; es kommt zu wechselseitigen Hospitationen mit ausgewählten Partnerschulen. So kann man an bereits vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder anknüpfen, gleichzeitig aber behutsam an die gymnasialen Leistungsstandards heranführen.

 

Die Neuen kommen

Unmittelbar vor den Sommerferien findet der “Kennenlern-Nachmittag” statt. Hier treffen die neuen Schülerinnen und Schüler erstmalig mit ihren zukünftigen Mitschülern und Klassenleitungen zusammen. Generell werden bei der Anmeldung geäußerte Wünsche bei der Klassenzusammensetzung berücksichtigt; in der Regel werden die Kinder, die in einer 4. Klasse einer Grundschule zusammen waren, auch an der Hildegardis-Schule gemeinsam in einer Klasse lernen.
Seit einigen Jahren werden jeder Klasse Klassenleitungsteams zugeordnet, so dass die Schülerinnen und Schüler je zwei kompetente Ansprechpartner haben. Generell wird die Anzahl der Unterrichtenden möglichst gering gehalten, damit die jeweiligen Kolleginnen und Kollegen die Kinder wirklich intensiv betreuen können und die Kinder wiederum sich nicht auf zu viele neue Lehrerinnen und Lehrer einstellen müssen.
Die gemeinsame Klassenfahrt im ersten Schulhalbjahr und die von den Paten organisierten nachmittäglichen Treffen dienen dem intensiveren Kennenlernen und der Orientierung im neuen Umfeld.
Bei den Paten handelt es sich um Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die den Kindern der Klassen 5 und 6 beim Einleben in die Hildegardis-Schule behilflich sind und damit Verantwortung für jüngere Kinder und die Schulgemeinschaft übernehmen. Sie werden in der Schule sorgfältig auf ihre Aufgaben vorbereitet und arbeiten eng mit der Klassenleitung zusammen. Die Programmpalette ihrer Aktivitäten umfasst Spiel- und Sportaktionen, Feiern der Jahresfeste usw.

 

Eine wertelose Schule ist wertlos

An der Hildegardis-Schule ist ein für alle Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I verbindliches persönlichkeitsförderndes uns sozialintegratives Konzept eingeführt worden. An allen Montagen haben in der im Stundenplan als SciVi-Stunde ausgewiesenen ersten Stunde (ausgehend vom Wahlspruch unserer Schule sci vias) unterschiedlichste Aspekte der an der Schule geleisteten Präventionsarbeit, der Schulpastoral, des Methodenlernens und der Berufsberatung Eingang gefunden. Ziel ist, gemäß dem Motto Hildegards von Bingen, die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Suche nach Orientierung in einer pluralistischen Gesellschaft zu begleiten. Unterstützt werden diese Bemühungen gemäß dem Ansatz der Life-Skills Erziehung durch die Arbeit mit dem Lion’s Quest Programm “Erwachsen werden”. Angestrebt wird eine gezielte Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, so dass grundlegende Wertvorstellungen und Orientierungen in allen erziehungsrelevanten Bereichen möglichst gemeinsam von der ganzen Schulgemeinschaft vertreten und betont werden.
Gleichzeitig ermöglicht dieses Konzept, Schule und Unterricht problemlos nach außen zu öffnen und ausgewählte Experten zur Diskussion jahrgangsspezifischer Themen einzuladen.

 

Stundenplangestaltung

Die Schule versucht zudem, den erhöhten Anforderungen des achtjährigen gymnasialen Bildungsganges stundenplantechnische Veränderungen entgegenzusetzen, um vor allen Dingen die Schülerinnen und Schüler der Erprobungsstufe zu entlasten.
Der Unterricht in der Sekundarstufe I wird in Form eines aufgeklärten Doppelstundenmodells erteilt; dies führt zu einer spürbaren Verringerung der für den nächsten Tag anzufertigenden Hausaufgaben sowie zu einer deutlichen Reduzierung der Anzahl mitzubringender Bücher. Gleichzeitig eröffnet dieses Modell mehr Möglichkeiten für projektorientiertes/handlungsorientiertes Arbeiten und bringt nicht zuletzt aufgrund eines seltenen Wechsels von Fachraum und Fachlehrer mehr Ruhe in den Schulalltag.
Nachmittagsunterricht findet erst ab der Jahrgangsstufe 8 an einem Tag in der Woche statt. So ist trotz des mit der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit einhergehenden erhöhten Stundenvolumens an der Hildegardis-Schule der reguläre Schulschluss an den anderen Tagen in der Regel nach der sechsten Stunde garantiert.

Die Mittelstufe

Die Mittelstufe umfasst die Jahrgangsstufen 7, 8 und 9. Die Fächer der Unterstufe werden fortgeführt, wobei die Stundenzahl variieren kann. Das Ziel der Mittelstufe ist der Erwerb der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe oder zum Besuch vollzeitschulischer Bildungsgänge des Berufskollegs. Sie wird mit der Versetzung am Ende der 9. Klasse erreicht.
Der mittlere Schulabschluss wird nicht nach Beendigung der Mittelstufe, sondern nach zehn aufsteigenden Schuljahren am Ende der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe (Klasse 10) vergeben. Als weitere Abschlüsse der Sekundarstufe I können erworben werden: ein dem Hauptschulabschluss gleichwertiger Abschluss am Ende der Klasse 9 und ein dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10 gleichwertiger Abschluss.
Das Kollegium unserer Schule ist fortlaufend bemüht, seine Pädagogik den Erfordernissen der Zeit anzupassen und arbeitet stets an „offenen Fragen“ zur Mittelstufe: an neuen Angeboten im Differenzierungsbereich, an der Entwicklung neuer Arbeitsformen, an zusätzlichen Möglichkeiten der individuellen Förderung. Schließlich kommt der Mittelstufe als Bindeglied zur Sekundarstufe II eine besondere Bedeutung zu. Ihr Ziel ist nicht nur, die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Abschlüsse und Qualifikationen zu vermitteln, sondern vor allen Dingen den Jugendlichen in einer schwierigen Phase ihrer Entwicklung Halt und Orientierung zu bieten.
Um die mit der Schulzeitverkürzung an Gymnasien einhergehenden erhöhten Anforderungen in ihren Auswirkungen zu minimieren, gibt es neben dem breiten Förderangebot der Schule auch organisatorische Vorgaben, die das Lernen erleichtern unddie Motivation der Schülerinnen und Schüler erhalten sollen. Sodifferenziert z.B. der reguläre Fachunterricht zwischen Einheiten, in denen fachspezifisches Wissen und Basiskompetenzen vermittelt werden, sowie Bereichen, die individualisiertes und projektorientiertes Lernen vorsehen, um so noch intensiver auf die besonderen Interessen und Lernbedürfnisse des Einzelnen eingehen zu können. 

 

Mittelstufe Sport

Der Wahlpflichtbereich

Eine Besonderheit in der Mittelstufe stellt der Wahlpflichtbereich in den Jahrgangsstufen 8 und 9 dar. Er bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einen gemäß Begabung und Interesse individuellen fachlichen Schwerpunkt zu bilden. Sie wählen eines von vier Fächern aus dem Angebot der Schule.
Wer an einer dritten Fremdsprache interessiert ist, kann Französisch oder Spanisch lernen. Musisch-künstlerisch begabten Schülerinnen und Schülern wird im Fach KuMuLi (Kunst-Musik-Literatur) Gelegenheit gegeben, ihre Potenziale zu entfalten. Des Weiteren kommen diejenigen, die mathematischnaturwissenschaftlich interessiert sind, in einem Fach zum Zug, in dem mit Hilfe der Informatik an kleineren naturwissenschaftlichen Forschungsprojekten gearbeitet wird. Und schließlich bietet sich noch die Möglichkeit, bilingual zu lernen und sich in einem Angebot der Fächer Englisch und Geschichte mit historischen und aktuellen politischen und sozialen Fragen zu beschäftigen. Ob ein Kurs in dem entsprechenden Fach eingerichtet wird, hängt vom Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler ab. Die Untergrenze liegt bei zehn Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern. 

 

Lernstandserhebungen

In der achten Klasse nehmen die Schülerinnen und Schüler der Schule an den landeseinheitlichen Lernstandserhebungen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik teil. Lernstandserhebungen überprüfen, ob die Anforderungen von Bildungsstandards erfüllt sind, die laut Kultusministerkonferenz am Ende des ersten Halbjahres der Klasse 8 erreicht sein sollten, und geben damit sowohl der Schule als auch den Familien der Lernenden nützliche Hinweise zur Einschätzung des Unterrichtsund Lernerfolgs.

 

Beratungsangebote

Eltern und Schülerinnen und Schüler können sich bei Fragen zur Schullauf bahn, zur Versetzungsordnung sowie zu Abschlüssen und Berechtigungen der Sekundarstufe I jederzeit an die Klassenlehrerinnen und -lehrer und an den Mittelstufenkoordinator der Schule wenden.
So wird versucht, der Bedeutung dieser Phase der Schullaufbahn Rechnung zu tragen. Übergänge sind herausfordernde Momente auf dem Lebensweg jedes Einzelnen, die mit besonderer Intensität erfahren werden. Sie bedürfen daher spezieller Aufmerksamkeit.

Die Sekundarstufe II

Schülerinnen und Schüler besuchen in der Regel drei Jahre die gymnasiale Oberstufe eines Gymnasiums: die einjährige Einführungsphase und die zweijährige Qualifikationsphase;sie beenden ihre gymnasiale Ausbildung mit dem Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife, die eine uneingeschränkte Studienbefähigung an einer deutschen oder europäischen Universität bescheinigt. Auf Grund der aktuellen Vorgaben des Schulministeriums ist eine Durchschnittswochenstundenzahlvon 34 Stunden festgelegt und auch die zu erfüllenden Pflichtbedingungen wurden nochmals verschärft. Ganz konkret müssen die Schülerinnenund Schüler zum Beispiel schon in der Einführungsphase 11-12 Grundkursfächer wählen. Dies ist unterrichtstechnisch nur unter Einbeziehung aller Nachmittage realisierbar. Die damit einhergehenden Belastungen versucht man an der Hildegardis-Schule mit unterschiedlichen Angeboten und Vereinbarungen aufzufangen:

  • Vertiefungskurse in Mathematik, Englisch, Spanisch und Latein, die dafür sorgen, dass Rückstände und Defizite unterrichtsbegleitend aufgearbeitet und abgebaut werden bzw. erst gar nicht entstehen
  • Projektkurse, die Möglichkeiten bieten, fächerübergreifend zu arbeiten, durch erhöhtes selbstständiges Arbeiten mit fachlicher Vorbereitung, Begleitung und Beratung einen eigenenThemenschwerpunkt zu setzen und eine individuelle Lernleistung in die Abiturwertung einzubringen
  • regelmäßige individuelle Beratungen und Informationsveranstaltungen
  • besondere Hausaufgabenregelung, die gewährleistet, dass keine umfangreichen schriftlichen Hausaufgaben für den Unterricht des folgenden Tages gestellt werden und eine Bearbeitungszeit für das Erstellen umfangreicher schriftlicher Aufgaben von mindestens einer Woche einräumt
  • Festlegung der Klausuranzahl auf maximal zwei pro Woche.

Darüber hinaus wird an der Hildegardis-Schule in der Sekundarstufe II das landesweit einzigartige Schulentwicklungsvorhaben Individualisierung von Lernprozessen und Formaten der Leistungsüberprüfung durchgeführt.